Bildbände von Südtirol gibt es so zahlreich wie Knödel in der dortigen Küche.
Aber einer - ich sage mal: eine illustrierte Landesbeschreibung - überragt alle anderen so hoch
wie der Turm der Pfarrkirche von Schlanders alle anderen Südtiroler Kirchtürme.
I. SEPP SCHNÜRER; "Südtirol. Land zwischen Reben und Firn"
Sepp Schnürer, der 1992 verstorben ist, muss beinahe jeden Quadratmeter Südtiroler Boden aus eigener Anschauung gekannt haben. Jedenfalls vermittelt er in seinem Großband "Südtirol. Land zwischen Reben und Firn" eine derartige Fülle von Text- und Bildinformationen, dass das Gebiet seinen Lesern wirklich "ein Bild in der Seele macht" - wie Goethe gesagt haben würde.
Ursprünglich war es 1989 erschienen; diese Ausgabe hatte ich am 19.10.2019 auf einem Bücherflohmarkt in Buchloe erstanden. Trotz des geradezu lächerlichen Preises von einem schlappen Euro durchaus zögerlich, denn ich hatte bereits einiges an Südtirol-Literatur im Bücherschrank und vieles davon ist heute noch ungelesen. Nachdem wir dann aber 2025 unseren ersten Urlaub in Südtirol verbracht haben (und ich außerdem einen Bambus-Buchständer erstanden hatte: das Buch hat Quart-Format😆), habe ich mich dann doch ans Werk gemacht.Meine Lektüre geht langsam voran; das aber nicht, weil das Buch langweilig wäre. Ganz im Gegenteil schreibt Schnürer flüssig und sehr gut lesbar. Doch obwohl die großzügige Bebilderung insgesamt vielleicht die Hälfte der 240 Seiten beansprucht, hat das Werk eine hohe Informationsdichte. Jeder Nebensatz, jedes Beiwort transportiert allgemein touristische, geologische, historische oder andere landeskundliche Informationen. Gewiss, es gab damals schon die Reihe "Südtiroler Landeskunde in sieben Bänden" vom Bozener Athesia Verlag. Die hat auch Schnürer als Informationsquelle verwendet und in seinem Buch aufgeführt. Wer aber nicht gerade ein ausgesprochener Südtirol-Freak ist, wird sich diese Bände wohl nicht antun. (Obwohl ich an den Textunterstreichungen sehe, dass ich zumindest den Vinschgau-Band mit seinen ca. 450 Seiten, davon vielleicht 400 Textseiten, tatsächlich irgendwann mal durchgeackert haben muss.)
Außerdem muss man stets die Landkarte heranziehen, wenn man eine brauchbare räumliche Vorstellung von einem Gebiet haben möchte; auch das dauert. Aber die Mühe lohnt sich.
Was Schnürers Buch nach meinem Dafürhalten wohltuend von vielen anderen unterscheidet ist die konsequente Vernetzung von Text- und Bildinformation. Die Fotos sind in hervorragender Druckqualität wiedergegeben und ästhetisch durchweg ein Genuss. Aber der Autor hat nicht einfach "schöne Bilder" irgendwo in den Text reingeklatscht; vielmehr ergänzen die Aufnahmen (die sämtlich von ihm selber stammen) den Text und vermitteln eine visuelle Vorstellung des jeweils beschriebenen Gegenstands: Landschaft, Gebäude usw..
(Die Fotos hier im Blog - Burg Tirol und Turm der Pfarrkirche von Schlanders - stammen ebenfalls vom Verfasser; allerdings von dem des vorliegenden Blotts.😇)
Als Bergsteiger muss man sicherlich eine sehr gute räumliche Orientierung haben. Das heißt aber nicht, dass jeder Bergsteiger auch anderen eine solchen Orientierung vermitteln könnte. Schnürer aber schafft das; dazu hier zwei Beispiele:
1) Textpassage S. 183 über Hafling:
"Betrüblich für die Haflinger Bevölkerung seit jeher ist die Tatsache, dass ihre Ortschaft kein eigentliches Zentrum besitzt mit Gemeindeamt, Geschäften und Wirten, geschart um den Platz vor der Kirche, wie es einem durch die Zeit gewachsenen Dorf gut anstünde. Hafling ist eine Streusiedlung und hat ein 'Hieger- und ein Enderbach', zwei Ortsteile diesseits und jenseits des Baches. St. Katharina steht mit dem am Hang verteilten Oberdorf diesseits; jenseits, straßentechnisch mit einem Tunnel und einer Brücke sehr aufwendig, dafür auf kürzeste Strecke verbunden, repräsentiert die Pfarrkirche zum hl. Johannes d. Täufer den ältesten Ortsteil Hafling/Dorf (1290 m). Dorthin hat die Gemeinde das Bürgermeisteramt, öffentliche Einrichtungen wie Bank, Post und Verkehrsamt gelegt, einen großen Parkplatz geschaffen und eine Übersichtstafel aufgestellt, mit der wir uns gut orientieren können."
2) Bildbeischrift rechts S. 189:
"Von welcher Stelle aus sehen wir dieses große Landschaftsbild? Von der Gampenstraße oben beim Gasthaus 'Tschengg' (siehe auch Seite 190). Vor uns die gesegnete Hochflur von Tisens und Prissian, links Schloß Katzenzungen, das Kirchlein St. Martin, in Bildmitte die Wehrburg, darunter das Etschtal nach Bozen und darüber die Dolomiten, der Rosengarten und Latemar."
"Von welcher Stelle aus sehen wir dieses große Landschaftsbild? Von der Gampenstraße oben beim Gasthaus 'Tschengg' (siehe auch Seite 190). Vor uns die gesegnete Hochflur von Tisens und Prissian, links Schloß Katzenzungen, das Kirchlein St. Martin, in Bildmitte die Wehrburg, darunter das Etschtal nach Bozen und darüber die Dolomiten, der Rosengarten und Latemar."
Die anscheinend letzte (6.) Auflage erschien 2002; das Buch ist noch zahlreich im Antiquariatshandel greifbar. Ich jedenfalls lege es jedem Südtirol-Liebhaber ganz herzlich ans Herz! Die Landschaft, die historischen Zentren der Orte und die Sehenswürdigkeiten dürften sich seither nicht groß geändert haben; die wesentlichen Informationen sind also vorhanden und nach wie vor korrekt, weil ohnehin unveränderlich.
Aber einen pietätvollen bio-bibliographischen Erinnerungstext sucht man dort vergebens. Lediglich im Rahmen einer kurzen Darstellung der Verlagsgeschichte wird erwähnt, dass man u. a. "die Südtirol-Bildbände von Sepp Schnürer" herausgebracht habe.
Jedenfalls war er Mitglied des Deutschen Alpenvereins, Sektion Mühldorf am Inn. Eine 76-seitige Festschrift von 1984 zum 75jährigen Jubiläum enthält auch kurze Hinweise auf Schürers Aktivitäten, insbesondere im Rahmen des DAV Mühldorf.
Und die bereits oben verlinkte Vereinschronik für die Jahre 1990 - 1994 bringt seine Todesnachricht.
Ich finde es etwas schade, dass man über einen derart verdienten Autor, dessen zahlreiche andere (Berg-)Bücher ich nur dem Namen nach kenne*, nur äußerst dürftige biographische Informationen im Netz findet. Vielleicht erbarmt sich da ja mal jemand, z. B. sein Verlag oder seine Alpenvereinssektion?
* Die "Deutsche Digitale Bibliothek" enthält ein Werkverzeichnis sowie auch das Sterbedatum von Schnürer.
So informationshaltig Schnürers Buch auch ist, ab und an möchte man über die eine oder andere Sache doch mehr wissen.
II. MARCELLO CAMINITI: "Die Burgen Südtirols"
Ein Thema, an dem man in Südtirol selbst dann nicht vorbeikommt, wenn man sich nicht brennend dafür interessiert, sind Burgen.
Dazu gibt es eine voluminöse und hochwissenschaftliche Reihe "Tiroler Burgenbuch" mit zahlreichen gewichtigen Einzelbänden für Nord- und Südtiroler Regionen. Das aber geht über die finanziellen Möglichkeiten wie über das Informationsbedürfnis eines interessierten Laien meilenweit hinaus: Ein daraus als Sonderdruck veröffentlichter Artikel allein über die Trostburg (Sitz des Südtiroler Burgeninstituts) umfasst 71 großformatige Seiten!
Ein umfassendes Verzeichnis (206 S. + 32 Farbtafeln), zudem mit mehreren Kartenbeilagen, nennt sich, etwas irreführend, "Südtiroler Burgenkarte. Mit Burgenführer und Detailkarten". Eine ausführliche Besprechung findet man hier.
Das ist umfassend und zweifellos auch verlässlich; zudem bietet es für einige bedeutende Burgen auch die Grundrisse. Aber wer z. B. über die großartige Burg Taufers etwas wissen möchte, dem werden die acht Textzeilen auf S. 115/116 dann doch etwas zu dürftig sein. In Internet-Zeiten ist die Informationsbeschaffung grundsätzlich kein Problem. Wer indes gemütlich im Sessel sitzend lieber in einem "richtigen Buch" nachschlagen will, für den ist "Die Burgen Südtirols" die richtige Wahl. Untertitel: "Türme, Festungen, Burgen, Schlösser, Ansitze, befestigte Klöster und ummauerte Städte in Südtirol. Touristischer Führer". Verfasst hat es ein Italiener: Marcello Caminiti. In deutscher Sprache, aber sicherlich auch im italienischen Original (GUIDA DEI CASTELLI DELL ALTO ADIGE), hat es eine ganze Reihe von Auflagen erlebt. Die erste datiert wohl von 1960 (hier wird 1959 als Erscheinungsjahr angegeben) und zählte 378 S.
Vermutlich letztmalig ist das (deutschsprachige) Werk 1989 erschienen, als "Neue, erweiterte und aktualisierte [7.] Auflage". Nunmehr ist es 407 S. (plus einige Index-Seiten) stark. Über die Burg Taufers berichtet es auf drei Textseiten (403 ff.) und mit einem ganzseitigen Farbbild. Von Größe und Inhalt her ist es ein richtiges "Handbuch" für einschlägig interessierte Reisende. Die recht zahlreichen und meist farbigen Abbildungen lassen in der Druckqualität zu wünschen übrig (teilweise blass und farbstichig). Aber für eine visuelle Vorstellung von der jeweiligen Burg usw. reichen sie aus.
Vor einiger Zeit hatte ich diese letzte Auflage über längere Zeit im Internet gesucht. "Richtiges Geld" wollte ich dafür jedoch nicht ausgeben, weil ich bereits die Auflage von 1977 besaß (365 S.). Doch eines Tages erwartete mich, kaum glaublicher Glücksfall, das neue Exemplar in einer Füssener Bücherbox!
Natürlich sind seither eine Reihe anderer Bücher erschienen, die sich mit den Südtiroler Burgen befassen. 80 davon hat z. B. Hanspaul Menara in seinem größerformatigen Werk "Südtiroler Burgen, Schlösser und Ansitze", Untertitel: "Ein Bildwanderbuch mit 80 Touren" behandelt und reich illustriert (1999).
Aber ein "Handbuch" wie das Werk von Caminiti ist seither wohl nie wieder erschienen. Das finde ich ebenso überraschend wie bedauerlich. Oder gäbe es heutzutage keine Käufer mehr dafür?
III. (JAKOB) TAPPEINER VERLAG (Redaktionsteam unter Leitung von Ernst Höhne): "Farbbildlexikon Südtirol"
Burgen sind, wie gesagt, nicht jedermanns Interesse.
Doch weitaus weniger Kaufinteresse zog ein "umfassend" über Südtirol informierendes "Handbuch" auf sich: Das 1981 erschienene "Farbbildlexikon Südtirol". Auf 301 Seiten informiert es in Text und zahlreichen illustrativen Farbbildern über das, was sich in Italien verwaltungstechnisch die "autonome Provinz Bozen" nennt (die ihrerseits ein Teil der Region Alto-Adige Trentino ist). Zwischen den lexikalischen Stichworten in der üblichen Kürze gibt es auch einige längere Sachartikel (Liste S. 9), beispielsweise zur Geologie oder zur Geschichte des Landes. Selbstverständlich fehlt auch ein (3-seitiger) Eintrag "Burgen, Schlösser und Ruinen in Südtirol" nicht. Lt. dem Merian-Heft von 1987 über Südtirol kostete das Buch seinerzeit 42,- DM. Für diesen Preis hat das Buch noch ein ganz besonderes "Schmankerl": eine im hinteren Vorsatz eingeklebte große Panoramakarte (ca. 30 x 60) der Bergwelt von Südtirol. Seinen Preis war es allemal wert; aber nicht jeder konnte oder wollte den wohl bezahlen. Ich vermute, dass man dafür seinerzeit eine Übernachtung in einem guten Hotel bekommen konnte.
Jedenfalls dürfte es kein verlegerischer Erfolg gewesen sein. Trotzdem meine ich, dass mittlerweile (wo nun auch sehr viel mehr deutschsprachige Reisende in Südtirol urlauben) Bedarf für ein aktualisiertes Südtirol-Lexikon besteht. Das Papier müsste nicht ganz so kunstdruck-hochwertig sein; so ließen sich bei gleichem Gewicht mehr Seiten unterbringen.
Und die Langartikel sollten (mit entsprechendem Hinweis) ausgegliedert werden. Die stören im Lexikontext, wären aber, in einer eigenen Gruppe zusammengefasst, eine schöne Lektüre für sich, ein wenig wie ein eigenes Buch.
Der Verleger Jakob Tappeiner war ein ausgebildeter und sehr guter Fotograf. (2003 ist in der Zeitschrift "Vinschger" ein relativ langer Artikel über seinen Werdegang erschienen: "Höhenflüge".) Er hatte auch einen Pilotenschein gemacht und war für seine Luftaufnahmen berühmt. Den einschlägigen Bildband "Südtirol. Bilder aus der Luft" sollte man allerdings nur dann kaufen, wenn man einen großen Tisch hat.😇
Wirtschaftlich war Tappeiner vor allem als Werbefotograf aktiv (und erfolgreich). Von den Aufnahmen im Lexikon wurden ca. 80 bis 90 Prozent jedenfalls von seinem Unternehmen erstellt und sind durchweg ebenso ansprechend wie informationshaltig.
Der Tappeiner-Verlag wurde (2014?) von Athesia übernommen; dort wird er auch jetzt noch als eigenes Label fortgeführt.
Der alte Verlag ist mir auch deshalb lieb und wert, weil er eine - ich sage mal - "Weiße Reihe" mit großformatigen Bildbänden über die verschiedenen Tiroler Landschaften (weitestgehend an der Verwaltungsgliederung in Bezirksgemeinschaften - etwa unseren Landkreisen entsprechend - orientiert) publiziert hat. Einen offiziellen Namen hat diese Buchreihe nicht; "Weiße Reihe" nenne ich sie, weil die vorherrschende Farbe auf den Schutzumschlägen weiß oder elfenbeinfarben ist. Die mir bekannten -8- Bände (mehr waren wohl auch nicht erschienen) sind ästhetisch ansprechend großzügig (meist farbig) bebildert. In alphabetischer Reihenfolge behandeln sie:
- Eisacktal
- Meran (und das gesamte "Burggrafenamt")
- Pustertal (mit einer atemberaubenden Luftaufnahme bei der nur die Burg Bruneck und eine Kirchturmspitze des Ortes aus einem Nebelmeer herausragen. Auf dieses gelungene Foto war Jakob Tappeiner sicherlich stolz und das völlig zu Recht. Es ist auf dem Schutzumschlag abgebildet und noch einmal groß auf S. 31/32.)
- Sarntal (Das Sarntal ist keine eigenständige Bezirksgemeinschaft, sondern gehört zu "Salten-Schlern". Der Schlern scheint mir auch zu fehlen. Vielleicht war noch ein Band mit Bozen und dem Schlern geplant und konnte mangels Rentabilität oder aus anderen Gründen nicht mehr erstellt werden?
- Sterzing (der einzige Band, der sich nur einer einzigen Stadt widmet. Einen Band für Bozen vermisse ich schmerzlich; die Stadt wird auch weder beim Eisacktal noch beim Sarntal mit behandelt.
- Unterland (das Gebiet und die Bezirksgemeinschaft südlich von Bozen bis zur Salurner Klause, wo mit der Provinz Trentino das "richtige" Italien beginnt).
- Vinschgau (216 S., zum Buch unten mehr).
- Wipptal (so nennt sich das Eisacktal vom Brenner bis zur "Franzensfeste". Auch das ist eine eigene Bezirksgemeinschaft.)
1990 sind im Tappeiner-Verlag -4- kleine (gelbe) Bändchen "Wohin in Südtirol" mit jeweils gut 90 Seiten erschienen:
- Band 1: Vinschgau, Meran und Burggrafenamt
- Band 2: Bozen, 'Sarntal, Ritten, Salten, Überetsch, Unterland
Das sind "Taschenbücher" im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie in jede (größere) Rocktasche passen. In der Summe ergeben sie zwar keine irgendwie vollständige, dafür aber in dem, was sie behandeln, erfreulich informative Beschreibung, wozu auch dort die herrliche Bebilderung wesentlich beiträgt.
(IN MEMORIAM SEBASTIAN MARSEILER)
Ich habe noch nicht alle Bände der o. a. "Weißen Reihe" gelesen, aber den "Vinschgau" bereits zweimal. Verfasst hat ihn Sebastian Marseiler, der 2023 übrigens auch den oben verlinkten Nachruf auf Jakob Tappeiner geschrieben hatte. Marseiler war selber ein Vinschgauer, aus Schluderns, wo wir im Oktober 2021 Urlaub gemacht haben (und wo ich auf dem Kirchhof ein schmiedeisernes Grabkreuz fotografiert habe, das wohl zur Begräbnisstätte seiner Eltern gehört):
Jedenfalls ist das Buch von Marseiler eine höchst anschauliche Schilderung des Vinschgau und hat, noch bevor wir ihn in natura gesehen haben, bewirkt, dass diese Landschaft mir (wie ich oben auch über das Schnürer-Buch gesagt hatte, wirklich "ein Bild in der Seele machte". Und das hat dann auf ganz Südtirol ausgestrahlt; aber da bin ich ja weiß Gott nicht der Einzige, der dieses Land mit seinem historisch unglücklichen Schicksal aber heute hohem Wohlstandsniveau ins Herz geschlossen hat.
Verstorben ist er am 09.04.2026, ausgerechnet in der Zeit unseres Urlaubs in Meran. Beerdigt wurde er dort (was mich überrascht hat) auf dem EVANGELISCHEN Friedhof.
Ich hätte ihm gerne das letzte Geleit gegeben; andererseits sind die Urlaubstage kostbar. Und meine Frau hatte sein Buch ohnehin nicht gelesen. Um aber die Erinnerung an ihn wachzuhalten reproduziere ich hier, was ich damals an Traueranzeigen und Nachrufen aus den lokalen Medien ausgeschnitten hatte. (Der Athesia-Verlag vermeldet auf seiner Autorenseite nicht einmal sein Ableben!)
1) Die Todesanzeige seiner Familie (hier auch online):
2) Die Traueranzeige seiner Heimatgemeinde Schluderns, wo er im (schönen) "Vintschger Museum" eine Dauerausstellung über die historischen Vinschgauer Bewässerungskanäle, die Waale (heute fast alle außer Gebrauch, aber immer noch nützlich durch und bekannt für die sie begleitenden "Waalwege"), kuratiert hatte:
Ein Nachruf des Meraner Literaturhistorikers Ferruccio delle Cave (dürftige Biografie bei Athesia, ausführlichere beim Raetia-Verlag):
Schließlich einen nicht signierten, aber liebevollen Nachruf vom 15.04.2026 aus der Werbezeitschrift Maiser Wochenblatt; im Original hier auf S. 22. Überhaupt enthält das Maiser Wochenblatt eine ganze Reihe von Erwähnungen seiner Bücher und seiner Aktivitäten.
[Ober- und Untermais sind Ortsteile von Meran; vermutlich hat er in Obermais gewohnt. Dort hatten schon in alten Zeiten mehrere Adelsgeschlechter ihre Burgen bzw. Schlösser errichtet; in der Belle Époque was es ein vornehmes Villenviertel und hat noch heute ein wenig von dieser Atmosphäre bewahrt. Da lässt sich's leben!
("Malser Wochenblatt", wie ich damals handschriftlich eingetragen hatte, ist definitiv falsch; Mals liegt noch nördlich von Schluderns im oberen Vinschgau).]
(AUSSER DER REIHE, ABER FÜR DIE FREUNDE DES LANDES VIELLEICHT NÜTZLICH: Merian-Hefte über Südtirol)
Ohne Zusammenhang mit den o. a. Einträgen, aber allemal mit dem Thema "Südtirol", nachfolgend eine (kommentierte) Übersicht der dazu erschienenen Merian-Hefte:
- Die Ausgabe 1957 war wohl das erste Heft zu diesem Thema (mit 102 S. mit einer nur skizzenhaften kleinen Karte auf der letzten Seite). Die Abbildungen waren größtenteils in schwarz-weiß, aber teilweise in oder jedenfalls Kupfertiefdruck-Anmutung. Ältere Leser werden noch die Leinenrücken der Hefte in Erinnerung haben; das letzte derartige war das dritte Heft von 1987.
- 1973 (= 16 Jahre "Zwischenraum" zum vorangegangenen) (114 S., davon am Schluss eine 3-seitige Ausfaltkarte mit den damals üblichen Einzeichnungen künstlerischer bzw. touristischer Interessenobjekte.
- 1987 (13 Jahre Abstand) (154 S. mit einer verbesserten - bunteren - Faltkarte derselben Art)
- 1998 (10 Jahre) (136 S.; die Ausfaltkarte am Schluss ist nunmehr eine im Grundton Grün gehaltene und für das Bergland geschummerte sozusagen "physische Straßenkarte", die wohl auch ziemlich alle (Gemeinde-)Orte und zahlreiche Sehenswürdigkeiten zeigt. Dazu auch zahlreiche Gondelbahnen und Lifte.
- 2008 (9 Jahre) (145 S. mit derselben Ausfaltkarte)
- 2015 (7 Jahre) (154 S. mit unverändert guter Karte)
- 2021 (5 Jahre) (130 S.. Die Landkarte, nur noch eine Doppelseite (S. 126/127) und direkt eingeheftet, hat jetzt Grau als Grundton; grün sind nur noch die Naturparke. Die Schummerung ist weggefallen. Einerseits missfällt das neue Kartenbild, das auch nur noch einem Teil der Gemeinden enthält: Das ist ein massiver Informationsverlust! Unter anderem fehlen sogar touristisch bedeutsame Orte wie Glurns und Schluderns (wo immerhin die Churburg erscheint; sogar als eines von 10 "Merian Highlights") im oberen und Naturns (das sowie Glurns hätten m. E. auch in die "Merian Highlights" gehört!) im unteren Vinschgau, Schenna bei Meran und St. Leonhard im Passertal (Andreas Hofer!), Salurn im Süden ("Salurner Klause"), sowie Völs in den westlichen Dolomiten, Franzensfeste (bislang noch Abzweigung der Bahn ins Pustertal; die derzeit im Bau befindliche "Riggertalschleife" ändert das vielleicht) im oberen Eisacktal und Innichen im Drautal und in der Nähe Sexten in den Sextener Dolomiten. Andererseits: Um einen raschen Überblick zu gewinnen, der sich vielleicht auch leichter einprägt, ist diese Darstellung nicht schlecht.
Das beschleunigte Erscheinen der Hefte lässt vermuten, dass das touristische Interesse an diesem Ländchen stark angewachsen ist. 2022 war ein "Bettenstopp" beschlossen worden, der allerdings 2026 wieder etwas aufgeweicht wurde.
Inhaltlich gefallen mir die zunehmend hochglänzenderen Hefte zunehmend weniger. Es liegt freilich in der Natur der Sache, dass die "kanonischen" Sehenswürdigkeiten irgendwann "verhackstückt" sind; worüber soll man dann berichten? Nun, allemal man kann man den Touris das Geld aus der Tasche ziehen: Mit quasi-Werbetexten über schicke (vulgo teure) Hotels, Spitzenköche, Spitzenweine usw..
Vor allem füllt man heutzutage die Magazinseiten gerne mit allem möglichen Öko-Gedöns ("Bio" und "Nachhaltigkeit").
Uff: Da bin ich vom Höcksken aufs Stöcksken gekommen!
Viel Arbeit, wenn ich bedenke, dass das sowieso kein Hund liest. Aber ein Blog ist ja auch eine Art Tagebuch; drum habe ich hier, auch zur eigenen Erinnerung, niedergeschrieben "was ich schon immer mal sagen wollte".😉
ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand 19.07.2026





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