Mittwoch, 16. Dezember 2020

Heilige, Held und Hammelherde. IV. Backsteinbauten alt und neu

 

 
 Die erkerbekrönte Spitze des Klever Torturms, aufgenommen von der "Kriemhildmühle" aus.
 

Meine treuen Leserinnen und Leser werden sich noch vom vorangegangenen 3. Blott meiner Xanten(-und Kalkar-)Reihe an diese Informationstafel erinnern, wo auch die eingangs gezeigte Kriemhildmühle und Klever Tor eingezeichnet sind (Nr. 8 + 9):


Ein Großteil der Häuser in der Altstadt (und vielleicht noch mehr in der neueren Bebauung außerhalb) ist aus Ziegelsteinen ("Backsteinen") erstellt. Teilweise - auf diesem Foto gut sichtbar - handelt es sich allerdings auch nur um vorgeblendetes Blendwerk:

Auch die evangelische Kirche ist ein "Backsteinsaalbau", allerdings verputzt:
 
Ebenfalls verputzt (und mit welchen Steinen auch immer gebaut) sind dieses Wohnhaus mit Jugendstilschmuck .....
 
..... dieses hübsche Gründerzeithaus. Es waren jeweils die einzigen ihrer Art, die mir aufgefallen sind. Offenbar haben sie die Bombardierung überlebt, oder wurden wieder aufgebaut.
 
Das gelbe Haus unten enthält Ferienwohnungen.
 
Überhaupt fällt bei einem Rundgang durch die Altstadt die große Zahl von Hotels und Ferienwohnungen auf. Obwohl die Touristen Information erst 1978 gegründet wurde, erfreut sich Xanten mittlerweile (in pandemiefreien Zeiten) offenbar eines regen Touristenzustroms.
Und das zu Recht, denn mit seiner Stiftskirche St. Viktor (Dom), einigen übriggebliebenen oder rekonstruierten alten Gebäuden in der Altstadt, dem einladenden Grüngürtel auf dem Gelände des (zugeschütteten) früheren Stadtgrabens und natürlich ganz besonders den Ausgrabungen und Rekonstruktionen in der fast unmittelbar anschließenden ehemaligen Römerstadt "Colonia Ulpia Traiana", dazu noch den großen Wassersportanlagen an "Südsee" und "Nordsee", hat es wirklich eine Menge zu bieten.
 
Es gibt noch mindestens drei gotische Häuser im Xantener Stadtkern; bei diesem, in der von der Kriemhildmühle zur Stiftsimmunität verlaufenden Brückstraße, wurde das Ziegelsteinmauerwerk mit Tuffsteinen (aus der Römerstadt entnommen) verblendet :
 
 
Diese Ziegelsteine zeigen allerdings nicht die Hauswand (das Gebäude ist an beiden Längsseiten, und mutmaßlich auch an der Rückseite, verputzt). Vielmehr ist das Erläuterungsschild an einem der aufgemauerten Zaunpfeiler angebracht (vgl. Folgebild).

Während wir oben die Nordseite mit ihren nur wenigen Fenstern gesehen haben, zeigt dieses Bild die Südseite, wo spätere Generationen sich mehr Licht für ihre Räume geschaffen haben:
 
 
Gleich gegenüber wurde ein weiteres "spätgotisches Bürgerhaus" vermutlich nach Bonbenschäden "wiederhergestellt":
 
 
Für "zwei bedürftige Mägde" bietet es einen überraschend großen Wohnraum. Der unbefangene Tourist fragt sich daher, ob und ggf. welchen Dienste diese beiden Mägde dem Engel Klaphok um 1600 erwiesen haben mögen?
 
 
Im dreißigjährigen Krieg wurden die Stadtmauern geschleift, und zwar von hessischen Truppen (daher wohl der Ausdruck "Erbarmen, die Hesse kommen"😊)
(Sehr ausführliche Informationen über die ehemalige Xantener Stadtbefestigung und ihre bis heute erhaltenen Teile enthält die - private - Webseite "Rheinruhronline"; dort auch zur Stadt insgesamt, zu "Dom" und Stiftsimmunität.)
Tore und Türme konnte die Stadt jedoch von der Zerstörung loskaufen; hier der "Schweineturm" im Süden:
 
 
 
 
Auf der Außenseite (Parkseite) ist die ursprünglich runde Turmform noch andeutungsweise sichtbar:
(Nicht dem Turm selber, aber einem Mauergemälde im Stadtpark an der Turmaußenseite waren wir im III. Teil dieser Reihe, den Impressionen aus  Xanten, begegnet.)

Allgemein über die alte Xantener Stadtbefestigung informiert am Ort diese Informationstafel:

Von den Stadttoren steht nur das Klever Tor, eine Doppeltoranlage mit Vortor, "Zwinger" und Haupttor. Das war vermutlich auch das bestbefestigte, weil es gegen Kleve gerichtet war und den dortigen Herzog von Eroberungsversuchen abhalten sollte. Heute ist dort eine Ferienwohnung auf 3 Etagen, für maximal 10 Personen, eingebaut.

Das "Pesthaus" (oder Pesthäuschen) steht, ungefähr beim "Meerturm", auf der anderen Seite des Grüngürtels (des aufgeschütteten ehemaligen Stadtgrabens):

Heute gehört es der Stadt und dient als Ferienwohnung.

Früher hat mal der Maler Gustav Ruhnau drin gewohnt. (Dieser Buchtitel zeigt eines seiner Bilder) Später scheint es dort eine Kunstgalerie Gertrud Strack gegeben zu haben. 
 
Das Gebäude, dessen ursprüngliche Funktion man heute als Gartenhaus versteht (hm: haben sich die Menschen tatsächlich schon um 1600 Gartenhäuser gebaut?) war bereits 1906 restauriert worden. 2011 war es neuerlich "reif" für eine bauliche Sanierung.
 
2013 waren die Renovierung und der Umbau zu einer Ferienwohnung abgeschlossen. (Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten muss die Aufnahme auf dieser Webseite entstanden sein, die noch den Efeu zeigt, der "das Kleinod aus rotem Backstein verdeckt und auch zusammengehalten hatte".)

Fast bin ich durch mit den historischen (Backstein-)Gebäuden; aber das Gotische Haus (das gemeint ist, wenn man mit Bezug auf Xanten ohne weitere Spezifikation von einem solchen spricht) muss ich natürlich auch noch zeigen.
Anscheinend stehen die dortigen Restaurants nicht unter einem glücklichen Stern. 2017 schmiedete man
"Neue Pläne fürs Gotische Haus" (22.08.2017)

Tatsächlich wurde dort 2018 eine Gaststätte eröffnet; bei aber meinem Besuch in der Stadt schon wieder geschlossen war. (Und das offenbar endgültig, nicht nur Corona-bedingt.)

Hast du Bock auf Barock, schau dir diesen Giebel an. Und das Mittelfenster. Der Rest des Hauses wurde vermutlich stark verändert (nach dem Krieg wiederaufgebaut?).

Mit den wirklich historischen Bauwerken bin ich nun durch (diese Kornbrennerei aus dem 19. Jahrhundert ist zwar auch imposant, als eigentlich "historisch" würde ich sie aber nicht ansehen):
 
Bei den Neubauten gibt es, wie auch anderwärts, viele langweilige. Einige  bemühen sich, durch die Gestaltung der "Dachlandschaft" oder der Fassaden, aber doch mehr oder weniger um eine gewisse Originalität:
 
Nach meinem Dafürhalten sehr gut gelöst sind hier die Fensterumrahmungen (ab dem 1. Stockwerk nach oben):
 
Die sehr scharfkantig vorspringenden Erker gefallenmir persönlich nicht besonders. Aber besser als eine einfallslose glatte Fassade sind sie immer noch:

Am "Europaplatz", wo sich die aus der Stadt kommende Bahnhofstraße mit dem belebten Umfahrungsweg "Siegriedstraße" kreuzt, ist dieses Eckgebäude eine Augenweide:
 
Ohne großen architektonischen und Kosten-Aufwand gegliedert, bietet diese Wohnhausanlage dennoch dem Auge einen Spiel-Raum:


Vielleicht etwas zu sehr knüpft diese Fassade an alte Formen an; dass sie tatsächlich NICHT alt ist, verraten die Fensterstürze ab dem 1. Stock nach oben, deren Ziegelsteine fast senkrecht vermauert sind. Während sie früher in einer leichten Bogenform erstellt wurden (vgl. z. B. oben das Pesthaus) oder mit nach außen zunehmender Schrägstellung im Mauerwerk seitlich über die Fensterwand hinausgingen (s. o. das "Commerzbank"-Haus mit dem Barockgiebel).

 
Diese Reihe besteht aus insgesamt -6- Blogposts (der jeweils vorliegende gefettet):
 

TEIL II

TEIL III 

TEIL IV 

TEIL V



ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand vom 18.12.2020

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