Sonntag, 12. Juli 2026

Südtiroler Biblio-Trinität

 

Bildbände von Südtirol gibt es so zahlreich wie Knödel in der dortigen Küche.
Aber einer - ich sage mal: eine illustrierte Landesbeschreibung - überragt alle anderen so hoch
wie der Turm der Pfarrkirche von Schlanders.

Sepp Schnürer, der 1992 verstorben ist, muss beinahe jeden Quadratmeter Südtiroler Boden aus eigener Anschauung gekannt haben. Jedenfalls vermittelt er in seinem Großband "Südtirol. Land zwischen Reben und Firn" eine derartige Fülle von Text- und Bildinformationen, dass das Gebiet seinen Lesern wirklich "ein Bild in der Seele macht" - wie Goethe gesagt haben würde.

Ursprünglich war es 1989 erschienen; diese Ausgabe hatte ich am 19.10.2019 auf einem Bücherflohmarkt in Buchloe erstanden. Trotz des geradezu lächerlichen Preises von einem schlappen Euro durchaus zögerlich, denn ich hatte bereits einiges an Südtirol-Literatur im Bücherschrank und vieles davon ist heute noch ungelesen. Nachdem wir dann aber 2025 unseren ersten Urlaub in Südtirol verbracht haben (und ich außerdem einen Bambus-Buchständer erstanden hatte: das Buch hat Quart-Format😆), habe ich mich dann doch ans Werk gemacht.

Meine Lektüre geht langsam voran; das aber nicht, weil das Buch langweilig wäre. Ganz im Gegenteil schreibt Schnürer flüssig und sehr gut lesbar. Doch obwohl die großzügige Bebilderung insgesamt vielleicht die Hälfte der 240 Seiten beansprucht, hat das Werk eine hohe Informationsdichte. Jeder Nebensatz, jedes Beiwort transportiert allgemein touristische, geologische, historische oder andere landeskundliche Informationen. Gewiss, es gab damals schon die Reihe "Südtiroler Landeskunde in sieben Bänden" vom Bozener Athesia Verlag. Die hat auch Schnürer als Informationsquelle verwendet und in seinem Buch aufgeführt. Wer aber nicht gerade ein ausgesprochener Südtirol-Freak ist, wird sich diese Bände wohl nicht antun. (Obwohl ich an den Textunterstreichungen sehe, dass ich zumindest den Vinschgau-Band mit seinen ca. 450 Seiten, davon vielleicht 400 Textseiten, tatsächlich irgendwann mal durchgeackert haben muss.) 

Außerdem muss man stets die Landkarte heranziehen, wenn man eine brauchbare räumliche Vorstellung von einem Gebiet haben möchte; auch das dauert. Aber die Mühe lohnt sich.

Was Schnürers Buch nach meinem Dafürhalten wohltuend von vielen anderen unterscheidet ist die konsequente Vernetzung von Text- und Bildinformation. Die Fotos sind in hervorragender Druckqualität wiedergegeben und ästhetisch durchweg ein Genuss. Aber der Autor hat nicht einfach "schöne Bilder" irgendwo in den Text reingeklatscht; vielmehr ergänzen die Aufnahmen (die sämtlich von ihm selber stammen) den Text und vermitteln eine visuelle Vorstellung des jeweils beschriebenen Gegenstands: Landschaft, Gebäude usw..
(Die Fotos hier im Blog - Burg Tirol und Turm der Pfarrkirche von Schlanders - stammen ebenfalls vom Verfasser; allerdings von dem des vorliegenden Blotts.😇)

Die anscheinend letzte (6.) Auflage erschien 2002; das Buch ist noch zahlreich im Antiquariatshandel greifbar. Ich jedenfalls lege es jedem Südtirol-Liebhaber ganz herzlich ans Herz! Die Landschaft, die historischen Zentren der Orte und die Sehenswürdigkeiten dürften sich seither nicht groß geändert haben; die wesentlichen Informationen sind also vorhanden und nach wie vor korrekt, weil ohnehin unveränderlich.


Die Google-Suche nach "Sepp Schnürer" erbringt Treffer ohne Ende. Aber fast immer handelt es sich um antiquarische Angebote seiner Bücher; gelegentlich auch um Erwähnungen durch Leser. Zu seinen Lebensdaten findet man so gut wie gar nichts. Sein ehemaliger Verlag, der BLV, muss klotzig an ihm verdient haben.
Aber einen pietätvollen bio-bibliographischen Erinnerungstext sucht man dort vergebens. Lediglich im Rahmen einer kurzen Darstellung der Verlagsgeschichte wird erwähnt, dass man u. a. "die Südtirol-Bildbände von Sepp Schnürer" herausgebracht habe.
Jedenfalls war er Mitglied des Deutschen Alpenvereins, Sektion Mühldorf am Inn. Eine 76-seitige Festschrift von 1984 zum 75jährigen Jubiläum enthält auch kurze Hinweise auf Schürers Aktivitäten, insbesondere im Rahmen des DAV Mühldorf.
Und die bereits oben verlinkte Vereinschronik für die Jahre 1990 - 1994 bringt seine Todesnachricht.
Ich finde es etwas schade, dass man über einen derart verdienten Autor, dessen zahlreiche andere (Berg-)Bücher ich nur dem Namen nach kenne, nur äußerst dürftige biographische Informationen im Netz findet. Vielleicht erbarmt sich da ja mal jemand, z. B. sein Verlag oder seine Alpenvereinssektion?






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