Hässlich ist es nicht, das Gebäude der Apotheke ("Gerichtsapotheke" - Geschichte) im Ortskern von Mals, im oberen Vinschgau in Südtirol gelegen.
Aber dass es besonders sehenswert wäre, würden wohl nicht einmal eingefleischte Lokalpatrioten behaupten. Von dieser Seite, mit vorgebautem Wintergarten(?) habe ich es nicht gesehen.) Es war auch nicht der Grund für unseren Ausflug, den wir am 22.10.2025 von unserem Urlaubaufenthalt in Marling (Hotel Kristall) dorthin unternahmen und die Apotheke war bei unserer Ankunft, zur Mittagszeit, auch geschlossen.
Indes hat der Inhaber, Dr. Johannes Fragner-Unterpertinger (der seinen etwas komplizierten Namen häufig zu "Hans Perting" abkürzt), eine ehrenvolle Erwähnung hoch verdient.
Von seinem vielfältigen literarischen Schaffen habe ich zwar nichts gelesen. Und seine (letztlich wohl erfolglosen) Bemühungen, die Gegend von Mals zu einer, sagen wir mal: Öko-Zone zu machen ("Der Malser Weg"), waren wohl nicht von Erfolg gekrönt und gehören, höflich formuliert, nicht wirklich zu meinen Interessenschwerpunkten.
Doch seine Arbeitskraft scheint unerschöpflich zu sein. Denn über alle diese Aktivitäten hinaus mischt er auch noch im "Provinz-Verlag" mit.
Vor allem aber betreibt er den Blog "Mals im Vinschgau von A – Z", der in Stichworten über den Ort informiert (und ursprünglich als Büchlein erschienen war).
Die Zielsetzung bzw. Inhaltsbeschreibung schraubt den Anspruch herunter: "... in kleinen Stichworten ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit". Tatsächlich aber liefert die Webseite eine Fülle von Informationen über den Hauptort Mals, die Ortsteile ("Fraktionen"; z. B. Alsack, Burgeis - mit dem weithin sichtbaren Kloster Marienberg - oder Planeil) und Umgebung (dort z. B. über das altertümlich-malerische Städtchen Glurns, das wir schon 2021 bei unserem Urlaub in Schluderns besucht hatten). Ausführlich auch über die "Calvenschlacht" von 1499, über Geologie usw. oder, kurz aber sehr interessant, über die Sprachengeschichte des oberen Vinschgau, wo das ursprüngliche Rätoromanisch, wie es noch heute die Ladiner in den Dolomiten sprechen, vom Deutschen verdrängt wurde (und zwar künstlich durch die Obrigkeit, aus religiösen Gründen).
Schon immer, wenn wir auf einer Busreise an Mals vorbeigefahren waren, waren mir die für einen so kleinen Ort recht zahlreichen (Kirch-)Türme aufgefallen.
Die Ortsmitte wird von der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt beherrscht ...
... zu deren Rechten sich auf dieser Aufnahme der Fröhlichsturm erhebt, der Bergfried der ehemaligen Fröhlichsburg (die selbstverständlich ebenfalls im Pertinger-Blog beschrieben wird):
In Mals und Umgebung haben sich noch recht viele romanische Bauwerke erhalten. Der schönste romanische Kirchturm ist sozusagen ein Riese ohne Unterleib, denn der Kirchenraum von St. Johann wurde vor über zweihundert Jahren zerstört und der überlebende Turm ist heute von Wohngebäude umzingelt (s. a. hier) .....
..... was freilich den Tauben egal ist:
Auch diesen Vögeln ist kein Kirchdach heilig; dafür der Innenraum den Kunsthistorikern umso mehr:
Es handelt sich um das uralte Kirchlein St. Benedikt, dem der Turm erst einige Jahrhunderte später angefügt wurde:
Diese Kirche war auch für uns der eigentliche Grund unseres Ausfluges von Marling her.
Denn der Innenraum enthält Fresken aus der Zeit Karls des Großen, also von etwa 800. Der größte Teil ist zwar verloren gegangen; aber was sich erhalten hat, wirkt auf mich erstaunlich modern. Verglichen mit der romanischen Malerei, die danach kam. Wie war es möglich, dass der Kunst der Realismus so verlorenging in den nachfolgenden Jahrhunderten?
Wie auch immer: Un-möglich war es für mich, im dunklen Kirchenraum brauchbare Fotos zu machen. Aber z. B. hier und dort findet man gute Aufnahmen.
Ach ja: Einige elaboriert dekorierte Steinplatten, die einstmals eine Chorschranke bildeten, sind sogar mit meiner Knipse ganz brauchbar rausgekommen:
Lange Zeit standen die im Bozener Archäologiemuseum; aber mittlerweile hat man sie zum Glück an den Ort ihrer ursprünglichen Aufstellung zurückgeholt.
Hier ein Blick über den Malser Friedhof (an der Pfarrkirche) auf den benachbarten (aber durch den Punibach getrennten) Fröhlichsturm:
Die eigentliche Sehenswürdigkeit auf dem Friedhof ist aber das Grab der Familie Plattner. Und zwar wegen des Gemäldes, dass der Malser Künstler Karl Plattner in seiner reifen Schaffensphase gemalt hat:
In jüngeren Jahren hat Karl Plattner auch ein Gefallenendenkmal (Kriegerdenkmal) auf dem Malser Friedhof ausgemalt, dessen Foto mir misslungen ist. Doch sind beide Gemälde u. a. auch im Pertinger-Blog abgebildet.
Karl Plattner ist der große Stolz seiner Heimatgemeinde (und wohl auch des gesamten Vinschgaus und Südtirols) und wird als bedeutendster moderner Maler des Landes angesehen. (Ein zweiter berühmter Maler war der Meraner Impressionist Leo Putz, der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wirkte.
Über Karl Plattner hat Hans Pertinger eine bebilderte Broschüre herausgegeben, die freilich nur auszugsweise online ist. Seine Lebensbeschreibung kann man auf der Webseite eines Vereins nachlesen, der zur Erfassung und Würdigung seines Schaffens gegründet wurde.
Gerade aktuell wird wieder eine Ausstellung in der Burg (im Schloss) Kastelbell im unteren Vinschgau gezeigt, welche durch die Präsentation eines sehr großformatigen Gemäldes recht attraktiv sein dürfte.
Wenn Sie sich beeilen .....😉
Im Ort konnten wir uns leider nur wenig umschauen. Damals wurde die Vinschger Bahn ausgebaut und verkehrte deshalb nur bis Laas. Beim Umsteigen erwischten wir nicht den direkten Anschlussbus, sondern einen anderen, der über Prad, Lichtenberg und Glurns nach Mals fuhr. Dadurch verpassten wir am Bahnhof in Mals den Anschluss ins Ortszentrum. Weil der Weg dorthin etwas ansteigt, und wir nicht mehr die Allerjüngsten sind, haben wir doch lieber auf den nächsten Bus gewartet.
Die "verkehrte" Busroute hatte den Vorteil, dass wir an der Burgruine Lichtenberg in Prad am Stilfser Joch vorbeikamen. Die ist auch im Vorbeifahren sehenswert und wurde kürzlich restauriert und gesichert.
Nicht fotografisch abbilden lässt sich eine andere höchst erfreuliche Komponente unserer Besichtigungstour nach Mals: Der Vinschger Wind, ein Fallwind vom Reschenpass, der uns bei unserem Herbsturlaub 2021 in Schluderns ziemlich zugesetzt hatte, machte die ganze Zeit Pause.
ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand 18.09.2026
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