Freitag, 18. Dezember 2020

Heilige, Held und Hammelherde. VI. Colonia Ulpia Traiana: Eine Hochkultur verschwindet aus der Geschichte

 
 

Die "Siefriedmühle" (schöne Fotos hier; Informationen da und ein wenig dort), im Hintergrund das wieder aufgebaute Nordtor oder "Burginatium-Tor"; die Wikipedia widmet der römischen Stadtmauer einen eigenen Eintrag).
 
Als ich Mitte Oktober meine Reise nach Xanten buchte, um am AfD-Sozialparteitag in Kalkarer Freizeitpark "Wunderland" teilzunehmen (vgl. Teil I dieser Reihe), wusste ich noch nicht, dass "mein" Tagesordnungspunkt bereits am Samstag (28.11.) gegen Mittag erledigt wurde. Außerdem durfte ich damals noch hoffen, eine Besucherkarte zu bekommen und somit auch am Sonntag noch teilnehmen zu können.
Daher plante ich meine Abreise erst für den folgenden Montag. Nachdem aber wegen der Corona-Einschränkungen auf diesem Bundesparteitag keine Besucher zugelassen wurde, hatte ich den ganzen Sonntag zu meiner freien Verfügung.
 
Normaler Weise hätte ich unter diesen Umständen den Archäologischen Park Xanten (APX) besucht, mit Ausgrabungen und Rekonstruktionen der früher dort gelegenen Römerstadt Colonia Ulpia Traiana.
 
Zur Orientierung:
  1. Diese Karte aus den "Wikimedia Commons" zeigt die römischen Anlagen im Raum Xanten, insbesondere die vor der Gründung der Stadt Colonia Ulpia Traiana dort bestehenden Legionskastelle.
  2. Eine detaillierte Karte der Römerstadt (bzw. der Ausgrabungen und Museumseinrichtungen) findet sich dort ebenfalls.
Bevor ich am (nicht mehr existierenden) "Vetera"-Tor ankam (oben mit der "Siefriedmühle", im Hintergrund das wieder aufgebaute Nordtor oder "Burginatium-Tor"), führte mich der Weg an Ausgrabungen eines "Matroneums" vorbei, der nicht von den Römern stammt, sondern wo (zunehmend von den römischen Kulten beeinflusst) die einheimische Bevölkerung ihre Götter verehrte. 
(Der o. a. Plan Nr. 2 zeigt ebenfalls einen "Matronentempel", der auf der Stadtfläche der alten Römerstadt lag. Diese wurde später drastisch verkleinert und bekam den Namen "Tricensimae" .)
 
 
Über den Untergang des Römischen Reiches gibt es Hunderte von Theorien. Vermutlich kamen innere Einflüsse (der von Spengler diagnostizierte unabwendbare Alterungsprozess von Hochkulturen) und äußere Einflüsse zusammen. Bei den äußeren Einflüsse kann man mindestens ZWEI Formen eines Eindringens vonn außen unterscheiden:
  1. Gewaltsame Eroberungen (Germanen- und Partherkriege, Hunneninvasion) und
  2. Friedliche "Eroberungen", d. h. die Einwanderung von Völkern, die aus römischer Sicht Barbaren waren.
Ich kann diesen ganzen Themenkomplex hier nicht vertiefen und bin ohnehin kein Experte darin. Dass es aber unklug ist, die eigenen Grenzen so weit zu öffnen, dass große Scharen von Fremdkulturellen in das eigene Land eindringen dürfen, halte ich für offenkundig.
Wenngleich die große Masse der Wähler in Deutschland damit leider kein allzu großes Problem zu haben scheint.
 
Hier das Burginatium-Tor herangezoomt:


Natürlich hätte ich die Ausgrabungen, Rekonstruktionen (hier an der Südost-Ecke z. B. ein Stück der Stadtmauer und - auf dem Bild unten - der Doppelgraben) das Museum gerne besucht .....,


..... doch waren, ebenso wie die Gaststätten auch die Museen (und das gesamte Parkgelände) geschlossen:

So konnte ich nur einige Aufnahmen von außen machen; hier von dem teilweise rekonstruierten imposanten römischen Amphitheater:
(Die im Vordergrund grasenden Schafe erinnern mich an elegische Reisebeschreibungen aus dem Rom des 18. Jahrhunderts, wo ebenfalls auf altrömischen Ruinen, insbesondere des Forums, Kühe und Schafe gehalten wurden.)

 
 
 
Und so sieht die Anlage, durch eine Hecke fotografiert, die dort den Mauerverlauf fortführt, von der anderen Seite aus (links natürlich wieder der Xantener "Dom"):
 
 
Einen Gesamtüberblick gibt, neben der o. a. Karte, auch diese Informationstafel:
 
Speziell zu den Ausgrabungen (man staunt als Laie, ein wie großer Teil noch NICHT ausgegraben wurde!):
 
 
Am "Molentor", wo der "Hafentempel" liegt (s. u.) ballen sich die Tafeln und bieten mir eine gewisse Entschädigung für die nicht mögliche Besichtigung des Geländes:
 
 
Über die herausragende Bedeutung der Stadt informiert diese Tafel: Nur die großen Städte durften sich "Colonia" nennen; im gesamten römischen Imperium gab es lediglich 150 davon. Und in der Provinz Niedergermanien nur zwei: Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) und eben diese hier.
 
 
Die Beschilderung mit großen Informationstafeln, die nicht nur über das informieren, was (noch) sichtbar ist, sondern auch über das, was in alter Zeit dort war und über Hintergründe und Zusammenhänge, ist wirklich hervorragend; hier wird die "Rheingeschichte" erläutert, also der früher häufig wechselnde Flusslauf:
  

Da in alter Zeit ein Flussarm an dieser Stadt vorbeiführte, gab es dort einen Hafen: eine wichtige Voraussetzung für kostengünstige Transporte. Über diesen Hafen wurden zu einem großen Teil wohl auch die an den Bauten verwendeten Natursteine angeliefert (während Ziegeleien vor Ort die Backsteine brannten).
 
Informationen über den Hafen:
 


Nach diesem Hafen ist der "Hafentempel" benannt, der immer wieder für schöne Erinnerungsfotos gut ist:

 
 
 
 
 
 
Über die römischen Ausgrabungen usw. informieren anscheinend fortlaufend die voluminösen "Xantener Berichte".
Der sicherlich hochinteressante Band 32 über "Handel, Transport und Logistik am römischen Niederrhein" umfasst z. B. 688 Seiten.
Hochspannend dürfte auch der Band 21 über die Kriminalität im römischen Reich sein (435 S.). Ebenso "Waffen in Aktion" (Bd. 16, 379 S.).
Von der Thematik her sehr speziell, aber gerade im zeigenössischen Zusammenhang (Identitätsthematik) interessant ist vermutlich der Band 7 "Bestattungssitte und kulturelle Identität" (422 S.).

Ein Blogpost von 2015 über den Archäologischen Park. Hier ein weiterer (von 2018), weitaus detaillierter und reich bebildert und dort noch einer mit recht vielen Fotos (vom Dezember 2019). Lars Hoffmann präsentierte 2011 die Fundstücke des Römermuseums in einem Video.
 
Aber der "helle Wahnsinn" ist der Blog "Figuren und Geschichten" von einem gewissen Frank Becker. In 5 reich bebilderten und betexteten Folgen berichtete er 2016 über den archäologischen Park: Da bleiben wohl keine Wünsche mehr offen!
(Folge 1,   F. 2,   F. 3,   F. 4,   F. 5)
Muss ich mir unbedingt anschauen, wenn ich Zeit habe: Das dürfte mich für den gescheiterten Besuch-Versuch beinahe entschädigen!
 
So ganz freilich doch nicht: Denn den Virtuellen Rundgang durch die Stadt, von dem man auf der Webseite wbg ein Fitzelchen in einem fitzelkurzen Video sieht, wird in voller Länge wohl nur im Römermuseum selber dargeboten.


Auf dem Rückweg wende ich mich wieder dem "neuen" Xanten zu:
 
Trotz aller Einschränkungen verlasse ich den Ort doch mit dem Gefühl, viel gesehen und manches über die Geschichte dazugelernt zu haben.


Diese Reihe besteht aus insgesamt -6- Blogposts (der jeweils vorliegende gefettet):
 

TEIL II

TEIL III 

TEIL IV 

TEIL V



ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand vom 18.12.2020

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