Dienstag, 7. Januar 2020

Braunschweig IV: Magniviertel, Staatstheater, Ägidienviertel

Fortsetzung zu: "Braunschweig III: St. Martini, Alstadtmarkt, Kohlmarkt, Burgviertel" (und Schluss meiner Braunschweig-Blotts).

Das "Happy Rizi House"; links der Turm der Magnikirche.

Vorbei an der Fassade des Stadtschlosses, die heutzutage einer riesigen Einkaufsgalerie vorgelagert ist (vgl. Teil 1; die Größenordnungen verdeutlicht ein Luftbild) gelangte ich durch die Georg-Eckert-Straße (auf der Luftaufnahme die breite, S-förmig geschwungene Straße rechts) zum Häuserkomplex "Happy Rizzi-House". Über dieses Projekt informiert eine eigene Webseite sowie die unfehlbare Wikipedia.

Dieses Luftfoto der Traditionsinsel "Magniviertel" zeigt den (aus mehreren Gebäuden bestehenden) Komplex des Rizzi-Hauses mit seinen flachen Dächern links oben in einem dreieckigen Straßenfeld.

Biegt man nach rechts in die Straße "Ackerhof" ab, hat man diesen Anblick der Gebäudegruppe:

Fast allen Menschen sind Fachwerkhäuser lieb - von außen. Drin wohnen, und gar die Erhaltungs- bzw. Sanierungskosten tragen, wollen dann deutlich weniger. (Diejenigen, die es sich finanziell leisten könnten, bevorzugen verständlicher Weise andere Wohnlagen.) So stehen hier in der "Langedammstr." gleich drei nebeneinander liegende Fachwerkgebäude leer und warten auf ihre Wiederbelebung, die wohl nur mit "Staatsknete" möglich sein wird. Aber auch die Taschen des Fiskus sind nicht unerschöpflich.

Wie bei anderen bedeutenden Braunschweiger Denkmalensembles gibt es auch im Magniviertel eine Informationstafel. Die steht zwar an anderer Stelle (vgl. den im Plan eingetragenen "Standort"); doch erscheint es sinnvoll, sie hier zur Orientierung vorzuschalten:
Eine ähnliche Karte bietet die Webseite der Stadt Braunschweig.

Ich bummelte weiter durch die Magnikirchstraße in das idyllische Halbrund "Hinter der Magnikirche". Das Wikipedia-Stichwort informiert uns: "Die Straße „Hinter der Magnikirche“ wurde mit dem Magniviertel zu einer Traditionsinsel ausgebaut, bei der hierher versetzte Fachwerkhäuser Bombenlücken füllten."


Auch dieses Häuschen scheint unbewohnt: Na, wär'das nichts für Sie? Vielleicht als Zweitwohnung? 😀

Die "Herrendorftwete" habe ich wohl verpasst.

Aber auch sonst existieren in diesem Viertel noch eine ganze Reihe alter Häuser:



Eine große Gaststättendichte bietet die aus der Altstadt herausführende kurze Straße "Am Magnitor". (Aus meinen langen Wohn- und noch längeren Arbeitsjahren in Frankfurt a. M. kommt mir der Vergleich "Kleines Sachsenhausen" in den Sinn.)


Von dort ging ich zum Herzog-Anton-Ulrich Museum (Kurzform "HAUM"). (Homepage; Museumsblog und Wikipedia-Stichwort.
Benannt ist es, logischer Weise, nach dem Herzog Anton Ulrich. Der trieb sich gerne in Venedig rum, um den Karneval, aber auch die Kultur zu genießen. Mehr über seine Reisen erfahren Wissensbegierige in dem Fachaufsatz "Karneval und kulturelle Vernetzung – Die Reisen Herzog Anton Ulrichs nach Venedig", den ich mir ausgedruckt und auf der Bahnfahrt gelesen hatte. (Außerdem u. a. den Wikipedia-Eintrag zur Geschichte der Stadt.)

Bereits in den 90er Jahren waren meine Frau und ich nach Braunschweig gereist; damals allerdings nur auf einer hastigen Tagesfahrt mit Bummelzügen von Wächtersbach aus. Ich wollte die Majolika-Sammlung besuchen, weil mir diese italienischen Fayencen (von denen ich später einige neue auf einem Flohmarkt ergatterte) besonders gut gefallen (vgl. meine Webseiten "Majolikareich"). Damals war justament diese Abteilung jedoch geschlossen. Bei meinem jetzigen Besuch hatte ich mehr Glück; die umfangreiche Sammlung von Tellern, Schüsseln und Gefäßen (z. B. Pilgerflaschen und "Albarellos", einst als Aufbewahrungsbehälter in Apotheken genutzt) ist über mehrere Räume verteilt aufgestellt. Leider ist die Präsentation nicht optimal. Der größte Teil steht in schmalen Schränken an den Wänden mit Beleuchtung von oben. Dadurch liegt z. B. bei Schalen der obere Teil im Lichtschatten. Aber insgesamt war es schon schön.
Den "Rest" des Museums musste ich entsprechend rascher durchlaufen; aber das Gebäude ist derart gigantisch, dass meine Fußsohlen immer flacher wurden. 😁
Um die zahlreichen Gemälde der verschiedensten Epochen, Länder und Künstler wirklcih angemessen zu würdigen, braucht man wohl mehr Sachverstand (oder zumindest Vorbereitung) und viel, viel mehr Zeit, als ich habe bzw. hatte.
Zumindest die lebendige Beschreibung der Bloggerin "Burgdame" sollten Sie sich nicht entgehen lassen, wenn Sie das Museum besichtigen möchten.

Mein "Pensum" hatte ich damit erledigt; draußen war mittlerweile die Dämmerung hereingebrochen.

Der Weg zu "meiner" Bushaltestelle führt mich noch am Braunschweiger Staatstheater vorbei .....

..... wo die "Kulturschaffenden" ihre "unverbrüchliche Treue" [so hätte man die Bekenntnisse der Staatskünstler wohl zu DDR-Zeiten politisch korrekt formuliert] zum Schurkel-Regime durch einen Protest gegen den AfD-Bundesparteitag bekundeten. (Auch wenn die Partei im Text unerwähnt bleibt, dürfte er genau so gemeint gewesen sein.)

Ich habe mir selbstverständlich den Appetit nicht vermiesen und die Holzofen-Pizza in meinem Braunschweiger "Stammlokal" Pizza Haus munden lassen. (Auf Facebook ist diese Pizzeria ebenfalls präsent; kann ich nur empfehlen; auch das Personal ist sehr freundlich!)
Räumlich ist es bestenfalls ein Imbiss und setzt vorwiegend auf den Auslieferungsservice.
Darum durchwallte eine Welle warmer Dankbarkeit meine ausgelatschten Fußsohlen, als zwei junge Männer die einzigen beiden Stühle am einzigen kleinen Tisch für mich freimachten und selber im Stehen weiteraßen. (Unter normalen Umständen wäre mir das peinlich gewesen, denn schließlich war ich damals selber noch 73 Jahre jung). 😌


Ergänzung 07.01.2020

Ganz vergessen hatte ich gestern Nacht beim Erstellen dieses Blotts das Ägidienviertel. Das habe ich allerdings erst am übernächsten Sonntag besichtigt.
Wie immer auf diesem Trip, war ich früh aufgestanden. Die Bäckerei Ziebart im Einkaufszentrum Weißes Ross, von meiner Unterkunft aus in kurzer Entfernung stadtauswärts gelegen, öffnete sogar am Sonntag bereits um 7.00 h, so dass ich hier frühstücken konnte. (Angebot grundsätzlich gut; der Kaffee freilich schmeckt daheim deutlich besser.😎) Der AfD-Bundesparteitag begann erst um 10.00 h. Weil an diesem Tage keine Blockaden zu befürchten waren, entschloss ich mich kurzerhand, schon in der Altstadt aus dem Linienbus auszusteigen und mir den Altstadtmarkt (nochmal) anzuschauen und dann irgendwie in Richtung VW-Halle zu bummeln. Vor allen Dingen wollte ich mir auch eine (Sonntags-)Zeitung kaufen. Aber da kannte ich Braunschweig schlecht: Total tote Hose am Sonntag. Gerade mal EINEN geöffneten Kiosk fand ich, aber auch dort gab es keine geistige Ernährung, sondern lediglich Flüssignahrung.

Zunächst aber entdeckte ich in der vom "Kohlmarkt" abzweigenden Straße "Damm" ein weiteres erhaltenes großes Fachwerkgebäude, mit einer Rossmann-Filiale drin.



Ganz ungeplant gelangte ich dann zur Traditionsinsel St. Ägidien (bei der mir nicht klar ist, inwieweit sie sich mit dem "Otlienteil" deckt).
Auch hier versorgt uns Raymond Faure üppig mit Bildern, unter anderem vom Geburtshaus von Louis Spohr. Spohr ist ein B-Promi der Musikgeschichte in der Beethovenzeit. Einen quasi persönlichen Bezug zu ihm habe ich dadurch, dass wir lange Jahre in Frankfurt in der Spohrstraße gewohnt hatten. So schick wie hier sah die Hütte nicht immer aus; den (miserablen) Zustand vor der Restaurierung hat Raymond Faure in seinen Fotos festgehalten.


Hier wieder die obligate Orientierungstafel (insgesamt gibt es mehr als 150 Hinweisschilder in drei verschiedenen Kategorien):
Auch von dieser Traditionsinsel findet sich eine Karte auf der städtischen Webseite.

Unsystematisch möchte ich hier einen Hinweis auf die 'Insidertipps für Braunschweig und seine schönsten Sehenswürdigkeiten' von Lutz Heim einfügen, der als Mitarbeiter des Städtischen Museums (Stadtgeschichte) natürlich besonders kompetent ist, einen knappen, inhaltlich hochverdichteten Überblick zu geben.

Der "Allgemeine Konsumverein" ist Sitz eines von 2(!) Braunschweiger Kunstvereinen, der den Namen des Gebäudes übernommen hat (und natürlich auch auf Facebook präsent ist).

Auf der Rückseite des Gebäudes findet sich dieses Hinweisschild:



Ein wenig wie nach einem Bombenangriff sieht es in dieser Ecke aus. Ich hatte aber den Auftrag "Gehe zum Parteitag. Begebe dich nunmehr direkt dorthin. Gehe nicht über die Haifischbar." Und also geschah es. 😉
Apropos "Bombenangriff": In Braunschweig gab es im Sommer 2019 die Ausstellung „15. Oktober – Die Zerstörung der Stadt Braunschweig 1944“ mit Gemälden, Zeichnungen usw., auf denen Künstlerden damaligen Zustand der Stadt festgehalten haben. War bestimmt interessant. (Rezensionen im "Löwen" und in der "Braunschweiger Zeitung").

Friedlich blieb es zum Glück in der Umgebung der VW-Halle; aber die Polizei hatte sich für alle Fälle gut vorbereitet:

In etwas weiter rechtsaußen stehenden Kreisen bezeichnet man diese Wasserwerfer auch als "Zecken-Kärcher" (Zeckenkärcher; die "Zecken" sind die Antifanten). Mussten aber zum Glück nicht eingesetzt werden.




ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand vom 07.01.2020

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