Mittwoch, 7. September 2011

Fun in Füssen

Merkwürdige Dinge gibt es in Füssen zu bestaunen.

Hier kommen z. B. Seelen frisch aus dem Ofen - ob da der Teufel persönlich backt (oder lässt er das lieber seine Großmutter machen, weil es besser schmeckt)?
Und außerdem stellt sich natürlich die Frage, wieso es derartig viele Sünder gibt im Allgäu?


Während die Hitze in der Hölle ihnen vielleicht um einige Grade zu hoch wäre, haben es Beamte gerne warm. Es müssen nicht gerade 'sozialistische Wärmstuben' sein, aber wenigstens Vorrichtungen zum Aufwärmen des mitgebrachten Mittagessens.
Eine solche, ebenso originelle wie energiesparende, entdeckte ich im Füssener Rathaus im alten Klostergebäude von St. Mang im 1. Stock auf der Haupteingangsseite der Verwaltungsräume. (Dort befinden sich übrigens auch öffentliche Toiletten, die aber leider nur während der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich sind).






 In alten Zeiten hatte man sehr viel weniger an materiellen Dingen als heute, aber was man sich leisten konnte, ganze Häuser (die verschnörkelten Gründerzeitbauten!) oder profane Gebrauchsgegenstände für den Alltag, musste verziert sein:

Irgendwie leben wir heute doch in ästhetisch verarmten Zeiten, und das gilt nicht nur für Objekte, sondern trifft uns weit schmerzlicher bei unseren teils zersiedelten (oder 'verrasten'), teils flurbereinigten Landschaften. Dort nimmt es freilich kaum noch jemand wahr, weil wir heute schon von Kind auf in diesen trostlosen Wohn- oder Vegetationswüsten aufgewachsen sind.

Freilich ist auch unsere Wahrnehmung der Vergangenheit stark verzerrt: die Lebenswelt für die große Masse waren dicht bebaute lichtlose Hinterhöfe der Großstädte (Zilles Berliner "Milljöh"), wie man sie noch heute z. B. in Offenbach an der Bahnstrecke östlich vom Bahnhof sehen kann.
Müsste man zwischen beiden Alternativen wählen, wäre  mir am Ende die weniger schnörkelige Welt denn doch um einiges lieber.



Textstand vom 07.09.2011

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